Zu wenig Zucker im Getränk: Dem Amt ist die Limonade zu gesund

Selbst in Getränken, die sauer schmecken, lauern bekanntermaßen gesundheitsschädliche Zuckerfallen. Denn Fertigprodukten wird oft reichlich von dem Süßmacher beigemengt, weil er für Geschmack und Fülle sorgt. Bis 2025 will Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner deshalb die Industrie freiwillig auf die Reduktion von Zucker verpflichten. Bereits seit zehn Jahren produziert das Hamburger Start-up Lemonaid Beverages GmbH (www.lemonaid.de) mit weniger Zucker: Seine Limonade, von der inzwischen 40 Millionen Flaschen zum Preis von 1,95 Euro verkauft wurden, enthält sechs Gramm auf 100 Milliliter und damit nur zwei Drittel dessen, womit andere Getränkeanbieter ihre Produkte anreichern.

Ende 2018 monierte das für Lebensmittelsicherheit zuständige Bezirksamt Hamburg-Mitte plötzlich, die Lemonaid-Limonade enthalte zu wenig Zucker, um so heißen zu dürfen. Der Hersteller solle entweder sein Produkt in Erfrischungsgetränk umbenennen oder den Zuckergehalt auf die für Limonaden vorgeschriebenen mindestens sieben Gewichtsprozent heraufsetzen. Lemonaid lehnte ab. Nach sichtbarer Empörung in den Medien teilte die Hamburger Gesundheitsbehörde im Januar mit, das Bezirksamt werde die Limonade vorläufig nicht beanstanden. Für Firmen-Chef Paul Bethke noch immer eine groteske Situation: „Wir bewegen uns weiterhin in einem Graubereich“, sagt er.

Den Unprivilegierten und Armen helfen

Durch den publikumswirksamen Zucker-Streit ist der Bekanntheitsgrad von Lemonaid aber gestiegen: „Es kennen nun mehr Menschen, was unser Produkt auszeichnet – neben Bio-Qualität und fairem Handel eben weniger Zucker“, so Bethke. Unter dem Markennamen Lemonaid produzieren und vertreiben er und sein Ko-Gründer Felix Langguth (beide 1981 geboren) Limonaden aus frischem Saft von Limetten, Maracujas und Blutorangen, dazu Eistees und losen Tee. Die Rohstoffe sind biologisch angebaut, werden fair gehandelt und stammen aus zertifizierten Kleinbauernkooperativen in Südasien, Südafrika und Lateinamerika. Das Bemühen um Nachhaltigkeit geht bis in die Verpackung: Die Getränke werden ausschließlich in Mehrwegflaschen aus Glas angeboten. Unter dem Motto „Trinken hilft“ gehen zudem von jeder verkauften Flasche 5 Cent, von jeder Packung Tee 10 Cent, an den gemeinnützigen „Lemonaid & Chari-Tea“-Verein e.V., der Sozialprojekte in den Anbaugebieten fördert. In der zehnjährigen Geschichte der Firma wurden auf diese Weise mehr als 4 Millionen Euro für Projekte zur Verfügung gestellt.

Lemonaid gibt es heute in mehr als 3000 Gastronomien in Deutschland, Österreich und der Schweiz und natürlich auch online. „Wir stehen heute mit unserem Produkt im rockigen Pizza-Laden auf St. Pauli ebenso wie in vielen Clubs, Cafés, bei Ikea und in edlen Designhotels. Unsere Idee sagt offenbar Menschen aus unterschiedlichsten Milieus zu.“ Das eigene Gewissen zu beruhigen scheine dabei weniger das Motiv: Zunächst kaufe jeder, dem ein gesundes Getränk aus frischen Früchten wichtig sei. „Meist erst wenn unsere Kunden auf die Herkunft unserer Zutaten stoßen, beschäftigen sie sich mit unseren gemeinnützigen Projekten. Das zeigt, dass unser Produkt nicht aus Mitleid gekauft wird, sondern ansprechend und wettbewerbsfähig ist.“

Источник: Corruptioner.life

Share

You may also like...