Warum Privatschulen reine Geldverschwendung sind

Es braucht schon einen Nobelpreisträger, um richtig zu glänzen. Der Physiker Theodor Hänsch, dessen Arbeit 2005 mit der höchsten Auszeichnung der Wissenschaft gekrönt wurde, lässt sich auf der Seite der Privatschule Louisenlund mit den Worten zitieren: „Um Exzellenz auszubilden, braucht es Talent, Fleiß und Zeit. Es freut mich sehr, dass plus-Mint diese drei Aspekte zusammenbringt.“ Plus-Mint, das Spezialprogramm der Edelschule in Schleswig-Holstein, eigens aufgelegt für naturwissenschaftlich besonders begabte Kinder. Die Botschaft des Internats, das gemeinhin als Eliteschmiede bezeichnet wird, ist ein großes Versprechen: Hier wird Spitzenbildung vermittelt, die den Segen eines Nobelpreisträgers hat. Ein Internatsplatz kostet in Louisenlund gut 40.000, ein Tagesplatz im internationalen Programm immerhin noch 15.000 Euro.

Inge Kloepfer

Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

In Deutschland gehen inzwischen rund zehn Prozent aller Schüler auf eine Privatschule. Anfang der 90er Jahre waren es keine fünf Prozent. Doch im Lauf des Jahrzehnts setzte ein Boom ein. Die Zahl der Privatschulen stieg bis 2017 um 81 Prozent. 2600 Einrichtungen kamen hinzu, so das Statistische Bundesamt. Nicht jede von ihnen ist freilich so teuer wie Louisenlund oder Schloss Salem.

Heute gibt es in Deutschland rund 5840 allgemeinbildende und berufsbildende Privatschulen. Die Privatschulen sind Ersatz- oder Ergänzungsschulen, also Einrichtungen, die in freier Trägerschaft unter staatlicher Aufsicht eine Alternative zu einer öffentliche Schule darstellen. Dafür brauchen sie die staatliche Anerkennung. Je nach Landesrecht erhalten sie staatliche Finanzierung, die mindestens zwei Drittel der Kosten deckt. Zusätzlich erheben viele von ihnen noch Schulgeld. Das ist natürlich nur in Ausnahmefällen so hoch wie die Internatskosten von Louisenlund. In der Regel fallen Kosten zwischen 50 und 200 Euro im Monat an. Es gibt aber auch viele – vor allem konfessionelle – Schulen, die gar kein Schulgeld erheben. Die katholische und die evangelische Kirche sind die größten Träger privater Schulen und betreiben rund 2000 Institutionen, gefolgt von rund 250 Waldorf- und 400 Montessori-Schulen und rund 170 internationalen Schulen.

 Hoffnung auf eine erfolgreiche Schulzeit

Der Run auf die Privatschulen ist ungebrochen. Viele Institutionen verzeichnen weitaus mehr Bewerber als Plätze. Das zeigt: Die Skepsis vor allem bildungsbürgerlicher Eltern gegenüber öffentlichen Bildungsinstitutionen ist groß. Fragt man die Eltern nach ihrer Motivation, ihr Kind auf eine private Schule zu schicken, kommt immer wieder die gleiche Aussage: „Ich möchte bessere Chancen für mein Kind.“

Dahinter verbirgt sich die Hoffnung auf eine erfolgreiche Schulzeit, die sich an einen ganzen Strauß vermeintlicher Vorzüge privater Bildungseinrichtungen knüpft: bessere Ganztagsangebote, kleine Klassen, motiviertere Lehrer, eine individuellere Betreuung und eine bessere Ausstattung. Dazu gesellt sich neben dem mitunter ideologisch anmutenden Glauben an ein besonderes pädagogisches Konzept und ein gutes Schulklima die Illusion, das eigene Kind würde besser und vor allem mehr lernen als an einer öffentlichen Schule. Aber ist das wirklich so?

Wohl eher nicht. Es gibt keine Untersuchung, die das bestätigt. Anders gesagt: Ein Kind aus vergleichbarem gesellschaftlichem Milieu erwirbt auf einer öffentlichen Schule genauso viele kognitive Kompetenzen wie auf einer Privatschule. Das beweisen mehrere wissenschaftliche Studien.

Nicht grundsätzlich besser

So ist die Frage, ob Privatschulen kompetentere Kinder hervorbringen, nach Meinung des Berliner Sozialwissenschaftlers Marcel Helbig eindeutig zu verneinen. Angesichts der Tatsache, dass in bestimmten gesellschaftlichen Kreisen die Privatschulen in höchsten Tönen angepriesen werden, sei das schon verwunderlich, sagt er. „Vielleicht geht es aber auch gar nicht um die Kompetenzen“, so Helbig, „auch wenn das von Schulen und Eltern immer wieder behauptet wird.“

Источник: Corruptioner.life

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