TV-Kritik „Maischberger“: Rotkäppchen, der Wolf und die Bienen

Die Achtung vor der Natur kennt viele Töne. Das war auch gestern in der Sendung bei Sandra Maischberger so. Sie stellte die Frage: „Rettet die Biene, schützt den Wolf: Was ist uns der Naturschutz wert?» Schon Vergil besingt in dem Lehrgedicht Georgica die Biene, in der ein Teil des göttlichen Geistes wohne. Wohnt er auch in den 73 Wolfsrudeln, die in Deutschland leben? Gewiss, nur anders. Sie sind nicht hier, um Menschen das Leben zu vermiesen.

In Deutschland gibt es für sie das größte Wildangebot Europas, sagt der Naturfilmer Andreas Kieling. Die Wölfe wären ja mit dem Klammerbeutel gepudert, würde sie das nicht anlocken. Wenn dann hier und da Lämmer gerissen werden, ist das unerfreulich, aber bleibt Ausnahme. Wiederholt sich das, kann ein Schadwolf „entnommen werden“. Dann wird er abgeschossen.

In Niedersachsen hat ein Wolf in der Nachbarschaft eines Pflegeheims ein Schaf gerissen und zwei weitere verletzt. Rotkäppchens Großmutter war nicht gefährdet. Schäfer erhalten öffentliche Gelder für den Herdenschutz, für Zäune, auch für den Kauf von Herdenschutzhunden – das sind eindrucksvolle Tiere, die auch ein Wolfsrudel auf Abstand halten. Wölfe haben kein Interesse an Rotkäppchen. In 68 Jahren kam es in Deutschland zu neun tödlichen Unfällen mit Wolfsbeteiligung. Wer trotzdem den Teufel an die Wand malt und die Märchenangst von Kindern und Großmüttern nährt, tut das aus Unterhaltungsgründen.

Eigentlich ein scheues Tier

Europaweit ist der Wolf seit 1992 geschützt. Begegnet er in freier Wildbahn einem Menschen, hat der oft nicht mal die Zeit dafür, den Auslöser seiner Kamera zu drücken, schon ist der Wolf weg. Ronald Rocher ist Schäfer und hat ein „unjutes Jefühl“. Sorgen machen ihm alte und kranke Wölfe. Wenn sie von Räude befallen sind, verlieren sie die Scheu und suchen sich leichtere Beute als eine Wildsau. Die FDP-Abgeordnete und Bäuerin Carina Konrad will dem Wolf einen Platz im Jagdgesetz verschaffen. Das mache es den Jägern einfacher, Problemtiere zu jagen, ohne dass darüber Umweltminister tagen müssen, wenn ein Beutegreifer sich nicht an die für ihn bestimmten Regeln hält. Dass Wölfe die nicht kennen, tut nichts zur Sache.

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