Polit-Beben in Österreich — Warum Tal Silberstein im Fall Strache erwähnt wird

„Auch wenn die Methoden mich klarerweise an die von Tal Silberstein erinnern und verachtenswert sind – der Inhalt, der ist einfach, wie er ist.“

Das sagte der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) in seiner Erklärung zur „Ibiza-Affäre“ seines Vize-Kanzlers Heinz-Christian Strache (FPÖ). Für Kurz sei spätestens jetzt klar: „Genug ist genug.“ Er kündigte die Regierungskoalition mit der rechts-populistischen FPÖ auf. Zuvor war Strache bereits zurückgetreten.

Doch woher stammt das Video, das im Sommer 2017 auf Ibiza aufgenommen wurde?

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Immer wieder fällt Silbersteins Name! FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker sagte auch, die Art und Weise der Veröffentlichung erinnere verdächtig „an die sattsam bekannten schmutzigen Silberstein-Methoden aus dem Nationalratswahlkampf 2017 mit dem Versuch eines politischen Auftrags-Attentats“.

Doch wer ist Tal Silberstein und in welcher Affäre war er verwickelt?

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Die Silberstein-Affäre bestimmte Wahlkampf 2017

Während der österreichischen Nationalratswahlen 2017 gab es ein politisches Erdbeben in Wien: Der von der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ) engagierte Politikberater Tal Silberstein hatte mit einem Team des Wahlkampfbüros „Dirty Campaigning“ (Schmutzige Wahlkampftricks) betrieben.

Dieses wurde vorwiegend über anonyme Facebook-Seiten geführt und richtete sich hauptsächlich gegen Sebastian Kurz, der im Mai 2017 ÖVP-Chef wurde.

Die Namen der Facebook-Gruppen: „Die Wahrheit über Sebastian Kurz“ und „Die Wahrheit über Christian Kern“. Auf diesen Seiten wurden die beiden jeweiligen Spitzenkandidaten der ÖVP und der SPÖ als Polit- sowie auch als Privatperson durch Beleidigungen oder Fotomontagen in den publizierten Beiträgen negativ dargestellt und diversen Vorwürfen und Anschuldigungen ausgesetzt.

Enthüllt wurde dies zwei Wochen vor dem Wahltermin durch Berichte in der österreichischen Tageszeitung „Die Presse“ und dem Wochenmagazin „profil“.

Silberstein wurde in Israel im August des Jahres festgenommen. Der Verdacht: Bestechung, Urkundenfälschung und Geldwäsche. Sein Vertrag mit den österreichischen Sozialdemokraten wurde aufgelöst – Österreich hatte sein Polit-Krimi!

Tal Silberstein nach seiner Festnahme in Tel Aviv im August 2017Foto: JACK GUEZ / AFP

Im Laufe des Wahlkampfes tauchten weitere geheime SPÖ-Wahlunterlagen auf und wurden durch verschiedene Medien veröffentlicht. Bitter für die Sozialdemokraten, die zu zahlreichen Dementis gezwungen wurden. Diese wurden jedoch durch die beiden aufdeckenden Medien kurz darauf widerlegt. Die SPÖ stürzte in den Umfragen ab.

Der Skandal überschattete den Wahlkampf und drängte die Debatten weg von wichtigen Themen. Es gab nur noch das eine Thema, über das alle reden wollten. Bei der Wahl überholte die ÖVP die SPÖ mit deutlichem Abstand und wurde stärkste Partei.

Die rechts-populistische Partei von Heinz-Christian Strache bekam so die Chance eine Regierungskoalition mit der ÖVP und ihrem jungen Kanzlerkandidaten Sebastian Kurz zu formen.

Wie kommt die FPÖ jetzt darauf, dass Silberstein hinter dem „politischen Attentat“ stecken könnte?

SPÖ hat Silberstein-Kollege engagiert

Ein Grund könnte sein, dass die österreichischen Sozialdemokraten den Silberstein-Kollegen Paul Pöchhacker vor einigen Monaten wieder unter Vertrag genommen haben. Nicht direkt als Berater, sondern seine Firma „Progressive Research Consulting“.

Pöchhacker war eine jener Personen, die im Zentrum des Silberstein-Skandals vom Sommer 2017 standen. Er war in den Betrieb der Facebook-Seiten von Silberstein eingeweiht, die den ÖVP-Chef Sebastian Kurz diffamieren sollten.

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Steht die SPÖ also eventuell hinter der Veröffentlichung des Videos? Wenn ja, wieso hat man das Video nicht 2017, also nach Entstehung des belastenden Materials, im Wahlkampf veröffentlicht?

▶Eine Erklärung wäre: Die Kampagne galt damals als Diffamierung des jungen Sebastian Kurz. Die FPÖ war noch nicht im Visier der Politikberater.

Die Partei von Strache vermutet nun eine „Verschwörung von links“.

Ein Verfassungsschützer äußerte sich in der BILD am Sonntag: „Es ist durchaus denkbar, dass hinter dem Strache-Video linke Kreise stecken.“ Die Behörden beobachten schon länger Aktionen, mit denen sich Rechte und Linke gegenseitig diskreditieren.

Источник: Bild.de

Источник: Corruptioner.life

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