Plötzlich Synchronsprecher — Edin Hasanovic: „Unangenehm war nur das Stöhnen“

Der Berliner Edin Hasanovic (26) hat schon in den verschiedensten Rollen Erfolge im TV und auf der Kinoleinwand gefeiert. Zuletzt war er als Start-Up-Gründer in der Dating-Komödie „Rate Your Date“ zu sehen. Jetzt steht der Schauspieler auch im Tonstudio.

Für seine neue Rolle wechselt er nicht nur von der Gegenwart ins Berlin der 20er-Jahre, sondern auch vom Film zum Hörspiel. Und wickelt als Gigolo Fritz in der Erinnerung einer ehemaligen Hollywood-Diva und Mörderin, die sich vor ihrer Hinrichtung an ihre Kindheit in einem Bordell zurückerinnert, im Hörspiel „Die juten Sitten“ (seit 28.3 zum Download verfügbar) die Frauen um den Finger.

BILD: Herr Hasanovic, sie sprechen den egozentrischen Gigolo Fritz. Was hat Ihnen an der Rolle am besten gefallen?

Edin Hasanovic: „Spannend war natürlich, einen Charakter zu sprechen, der mit Gefühlen spielt und der sehr schnell umschalten kann. Und der Frauen nur etwas vorspielt und nur an sich denkt. Das hat mich total an Fritz gereizt. Und überhaupt einen Gigolo, einen so fähigen Frauen-um-den-Finger-Wickler zu sprechen, der gegen die Normen verstößt, war spannend.“

Was hat Sie besonders überrascht?

Hasanovic: „Es geht um Frauen, Sex, Wahrheiten, Emotionen und Humor. Ich dachte, beim Hörspiel muss man mehr Etepetete sein. Aber hier ist es nicht so. Hier ist es dreckig, verrucht, und nicht beschönigt, sondern es wird alles beim Namen genannt.“

Sie sprechen zum ersten Mal ein Hörspiel ein. Gab es Szenen, die unangenehm waren?

Auch Interessant

Hasanovic: „Asche auf mein Haupt, ich habe zugesagt, ohne das Drehbuch gelesen zu haben. Als ich dann einen Tag vor den Hörspielaufnahmen das Drehbuch gelesen habe, dachte ich: Oh Gott, ich muss ja fast in jeder Szene rumstöhnen. Und dann hatte ich richtig Schiss, weil ich dachte, das wird unangenehm. Ich komme im Tonstudio an, kenne niemand und soll dann in das Mikro stöhnen. Regisseurin Anja Herrenbrück hat es aber zum Glück geschafft, einen angstfreien Raum zu schaffen, in dem ich mutig sein konnte, indem wir ernst über so ein Thema reden, aber auch lachen konnten.“

Als Gigolo Fritz verdreht Edin Hasanovic den Frauen im Hörspiel den KopfFoto: Marcus Renken

Was hat ihnen besonders Spaß gemacht, was weniger?

Mit Gutscheinen online sparen

Ein Service von

Gutscheinpony

Hasanovic: „Unangenehm war nur das Stöhnen. Aber nur in meinem Kopf. Als ich dann mit Anja angefangen habe, ging alles problemlos. Spannend waren natürlich akustische Sachen, zum Beispiel das Küssen. Dafür habe ich immer meine Hand geküsst. Da ist es ganz gut, dass die Kamera nicht dabei ist, sonst wäre das etwas unangenehm.“

Haben Sie als Kind selbst Hörspiele gehört?

Hasanovic: „Nein, ich bin schon immer mit Musik aufgewachsen. Und ich habe Kinderserien geschaut, wie ,Schloss Einstein’, ,Die Pfefferkörner’, ,Die Kinder vom Alstertal’ oder ,Süderhof’. Das war so meine Zeit.“

Haben Sie mal überlegt, ein Kinderhörspiel als Erwachsener nachzuholen?

Hasanovic: „Nein, eigentlich nicht. Tatsächlich höre ich lieber Sachbücher, die mir etwas erklären, zum Beispiel wie ich weniger Zucker esse und nicht mehr so viel ungesundes Zeug zu mir nehme. Hörspiele höre ich eher weniger. Aber wahrscheinlich müsste ich das mal machen, so Kinderhörspiele sind als Erwachsener wahrscheinlich ganz cool.“

Gibt es Geräusche, die Sie nicht mögen?

Hasanovic: „Fingernägel, die über einen Teppich ziehen. Da bekomme ich eine Gänsehaut. Ich bin generell sehr empfindlich auf Geräusche. Es darf nichts zu laut sein. Morgens muss ich auch immer schön sanft geweckt werden und nicht mit diesem lauten Weckergeräusch.“

Hosenträger und Zigarette: Für das Cover des Hörspiels schlüpfte Edin Hasanovic auch äußerlich in die Rolle des GigolosFoto: Sven Krohn

Und wie sieht’s mit Geräuschen aus, die Sie beruhigen?

Hasanovic: „Ich habe lange Zeit eine App mit Regentropfen, die auf ein Autodach prasseln gehört. Aber in letzter Zeit schlafe ich immer mit Schlaftrancen ein, also jemand der spricht und mir sagt: ,Hey konzentriere dich auf dich und deinen Körper.‘ Und egal wie wach ich bin, nach drei Minuten bin ich weg. Das ist das qualitativ hochwertigste Einschlafen, dass ich die letzten 26 Jahre hatte. Ich mache auch immer den selben an, weil ich noch nie weiter als sieben oder acht Minuten gekommen bin.“

Gab es bei Ihrer Vorbereitung auf das Hörspiel etwas, was sie besonders beeindruckt hat?

Hasanovic: „Nach einer langen Durststrecke brechen die Leute in den 20er Jahren plötzlich mit den Normen und Regeln. Frauen rauchen sogar öffentlich und ziehen sich weiblicher an und Männer männlicher – es geht viel um Sex, zu sich selber finden, die eigene Identität und ein Gefühl von Revolution. Und da finde ich mich wieder, weil ich theoretisch, in meinen Kopf, ein kleiner Revoluzzer bin.“

Inwiefern?

Hasanovic: „Zum Beispiel mache ich keine Floskeln mit und habe keinen Bock auf Oberflächlichkeit und Smalltalk. Aber ich habe gleichzeitig halt keine Lust, Menschen vor den Kopf zu stoßen. Trotzdem will ich mir treu bleiben und meine Werte oder meine Meinung vertreten. Und das geht manchmal nicht. Aber im Vergleich zu mir sind die 20er-Jahre- Menschen viel mutiger, als ich jemals sein werde. Oder Lars Eidinger. Der kann das mehr als ich und sagt einfach, was er denkt.“

Edin Hasanovic wäre gerne ein bisschen wie Schauspielkollege Lars EidingerFoto: HAYOUNG JEON/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Wären Sie gerne so mutig wie Lars Eidinger?

Hasanovic: „Das ist auch nicht mein Ziel, so zu sein wie er. Ich schäme mich wahrscheinlich mehr und bin vielleicht zu sehr mit der Meinung meines Gegenübers beschäftigt. Aber ich arbeite daran, einen Mittelweg zu finden. Denn ich muss ja kein Lars Eidinger werden, aber eine Scheibe von ihm tut mir wahrscheinlich ganz gut.“

Источник: Bild.de

Источник: Corruptioner.life

Share

You may also like...