Pakistanisches Militär wirft indischer Luftwaffe Verletzung seines Luftraumes vor

Der Konflikt zwischen Indien und Pakistan um Terrorangriffe in Kaschmir hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Am Dienstag griff Indien mit Kampfflugzeugen ein mutmaßliches Trainingslager für Terroristen in dem von Pakistan verwalteten Teil Kaschmirs an. Nach Angaben des indischen Außenministeriums ist bei dem Angriff eine „sehr große Zahl“ von „Terroristen, Trainern, Oberkommandeuren und Gruppen von Dschihadisten“ getötet worden. Die pakistanische Seite widersprach dieser Darstellung allerdings. Einem Sprecher der pakistanischen Armee zufolge hatte die indische Luftwaffe den pakistanischen Luftraum verletzt. Daraufhin seien pakistanische Kampfflugzeuge losgeschickt worden. Die indischen Flugzeuge hätten sich daraufhin zurückgezogen und „hastig“ ihre „Ladung“ abgeworfen. Der pakistanische Sprecher Asif Ghafoor veröffentlichte auch Bilder auf Twitter von Überresten vermeintlicher indischer Gegenstände in einem Waldstück. Opfer und Schäden habe es demnach nicht gegeben.

Till Fähnders

Daneben steht aber die Tatsache, dass Indien zum ersten Mal seit dem Krieg im Jahr 1971 in den pakistanischen Luftraum eingedrungen ist. Indiens Außenministerium teilte mit, seine Luftwaffe habe das „größte Trainingslager“ der Jaish-e- Mohammed (JeM) in Balakot zerstört. Die Terrorgruppe hatte den blutigen Anschlag auf einen Militärkonvoi am 14. Februar in dem kaschmirischen Bezirk Pulwama für sich reklamiert. Eine Reaktion Indiens auf den Selbstmordanschlag mit 40 Toten war erwartet worden. Ministerpräsident Narendra Modi hatte mitgeteilt, er habe der Armee dafür freie Hand gegeben. Der pakistanische Regierungschef Imran Khan hatte daraufhin gedroht, Pakistan werde Vergeltung für einen Angriff üben.

„Schwerwiegende Aggression“ Indiens

Pakistans Außenminister Shah Mahmood Qureshi sprach nach den Luftangriffen von einer „schwerwiegenden Aggression“ Indiens. Ministerpräsident Khan rief seine Streitkräfte und Landsleute am Dienstag dazu auf, auf alle Möglichkeiten vorbereitet zu sein. Pakistan werde „zu gegebener Zeit und an gegebenem Ort“ antworten. Khan rief das Nationale Sicherheitskomitee zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Dabei kritisierte er Indiens „unverantwortliche Politik“. Der indischen Regierung warf er vor, sich beim heimischen Publikum anzubiedern.

Welche Folgen der indische Militäreinsatz tatsächlich nach sich gezogen hat, ließ sich am Dienstag allerdings schwer beurteilen. Anwohner des Ortes Balakot berichteten der Nachrichtenagentur Reuters, sie seien am frühen Morgen durch laute Explosionen aufgeschreckt worden. Sie sagten, dass nur ein Mensch verletzt und niemand getötet worden sei. Außerdem erklärten sie, dass es in der Vergangenheit tatsächlich ein Terrorlager in dem Gebiet gegeben habe. Dieses sei aber mittlerweile in eine Koranschule umgebaut worden.

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