Olympiasieger Christoph Harting: „Ich Vollidiot“

Eines muss man ihm lassen: Diskus-Olympiasieger Christoph Harting kann seine Wirkung nach außen gut einschätzen. „Ich bin nicht unbedingt der, mit dem man sich gerne unterhält“, sagt er in einem Interview der „Sport Bild“ auf die Frage, ob er zum Helden tauge? Er komme unsympathisch rüber, meint der 29-Jährige über seine Außenwirkung. Und obwohl er das Selbsturteil mit den Worten „wenn man mich nicht richtig kennt“ einschränkt, bleibt die offenbar gewünschte Wirkung als Antiheld hängen.

Achim Dreis

Christoph Harting geht konsequent weiter den Weg der größtmöglichen Konfrontation, seitdem er 2016 bei den Olympischen Spielen von Rio die Nachfolge seines populären Bruders Robert als Olympiasieger angetreten hat. Schon die Siegerehrung vermasselte der Cottbusser, als er bei der Nationalhymne auf dem Podest herum hampelte – und seine anschließende Verweigerungshaltung gegenüber der Öffentlichkeit machte es auch nicht besser.

Vor dem Start der Diamond League an diesem Freitag in Doha bringt sich Hartung II – der seit seinem Olympia-Coup mit Ausnahme der deutschen Meisterschaft 2018 nichts mehr gewonnen hat – nun mal wieder in Erinnerung. Aber auch dies mit ausschließlich negativen Erkenntnissen, die er mit seinem Sport verbindet. Er spüre keinerlei Freude oder gar Leidenschaft für seine Disziplin, die er als reine Arbeit empfindet: „Diskus ist mein Beruf, keine Berufung.“ Das letzte Mal Spaß daran habe er mit 14 gehabt.

Verpatzte Siegerehrung als Olympiasieger: Hampeln zur Hymne

Gleichwohl er seine Gestaltungsfreiheit, ob er um neun, um zehn oder um elf trainiert, nur als „Teilzeit für Arme“ ansieht, will der Bundespolizist im Rang eines Polizeimeisters noch bis 2028 weiter Diskuswerfen: „Ich mache den Sport, weil ich ihn ziemlich gut kann.“ Ob er aber an der diesjährigen WM in Doha Ende September teilnehmen werde, ließ der Athlet des SSC Berlin offen. Die Olympischen Spiele seien das einzige Ereignis, das ihn noch antreibe. 2020, 2024 und 2028 will er dabei sein. Gleichwohl habe sich der Olympiasieg von Rio nicht für ihn gelohnt – kein Sportler habe durch einen Olympiasieg in der Leichtathletik ausgesorgt, meint Harting. Was bei ihm möglicherweise aber auch daran liegen könnte, dass er zurzeit keinen einzigen Sponsor hat. Und sich auch dem aktuellen Marketingtrend konsequent verweigert: „Ich benutze kein Social Media.“

Jugendlichen will Christoph Harting nicht nur nicht als Vorbild dienen, er rät ihnen generell davon ab, eine Karriere im Leistungssport einzuschlagen. „Du verzichtest auf deine Jugend“, warnt er. Er selbst würde heute einen anderen Weg gehen, wenn er noch einmal die Wahl zwischen Sportschule und Mathe-Gymnasium habe – „Und ich Idiot habe mich für die Sportschule entschieden.“ Rückblickend sei sein Leben von „Disziplin, Verzicht und Einsamkeit“ gekennzeichnet gewesen.

Verfeindete Brüder: Christoph (l.) und Robert Harting

Warum er trotzdem in seinem Beruf als Diskuswerfer noch zehn Jahre weiter machen will, obwohl alles so schrecklich ist, könnte möglicherweise mit fehlenden Alternativen zusammenhängen. Oder daran, dass das Leben in der Sportförderkompanie der Bundespolizei doch auch ganz nett ist. Harting begründet sein Wahl der Qual damit, dass es in Deutschland keine ernstzunehmenden Konkurrenten für ihn gibt. „Da kommt keiner nach.“ Der deutsche Kader sei „erschreckend“, meinte er. „Von daher habe ich das Gefühl, dass man mich später einmal mit dem Rollstuhl aus dem Ring schieben wird.“

Christoph Harting hat allerdings auch schon mal angekündigt, dass er den Diskus 80 Meter weit werfen wolle und dies auch könne. Seine persönliche Bestmarke steht seit dem „Lucky Punch“ bei den Olympischen Spielen von Rio bei 68,37 Meter. Für die Weltmeisterschaft 2017 konnte er sich als Vierter der deutschen Meisterschaften nicht mal qualifizieren. Und bei den Heim-Europameisterschaften 2018 in Berlin schied er nach drei ungültigen Versuchen in der Qualifikation aus.

Источник: Corruptioner.life

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