Nach Chaos im Unterhaus: Letzte Chance für den Brexit-Deal?

Nach einem chaotischen Tag im Unterhaus wird nun mit Spannung erwartet, wann die britische Premierministerin Theresa May ihr Brexit-Abkommen wiederholt zur Abstimmung stellen will. May hatte am Mittwoch angekündigt, im Falle einer Zustimmung ihr Amt vorzeitig abzugeben. Sie hoffte damit, ausreichend viele Gegner in ihrer eigenen Partei zur Unterstützung ihres Deals zu bewegen. Britische Medien sprachen von der „letzten Karte“, die May gespielt habe, vom „Endspiel“ in ihrem Amt oder gar von einem „Totengeläut“.

Doch die Rechnung scheint nicht aufzugehen: Ihre Verbündeten von der nordirischen DUP gaben der Regierungschefin abermals einen Korb. Sie kündigten an, gegen das Abkommen zu stimmen. May werden damit kaum Chancen eingeräumt, wenn sie den Deal – voraussichtlich am Freitag – dem Parlament noch einmal zur Abstimmung vorlegen sollte. Aber auch für Alternativen scheint es im Parlament keine Mehrheit zu geben. Bei Abstimmungen über acht Brexit-Optionen lehnten die Abgeordneten am Mittwoch mehrere Varianten einer engeren Anbindung an die EU ebenso ab wie ein zweites Referendum oder einen Austritt ohne Abkommen.

Mays potentielle Nachfolger scharren bereits mit den Hufen: Neben Vizepremier David Lidington und Umweltminister Michael Gove gehören dazu nach britischen Medienberichten auch der exzentrische Ex-Außenminister Boris Johnson, der frühere Brexit-Minister Dominic Raab, Außenminister Jeremy Hunt, der ehrgeizige Innenminister Sajid Javid, Gesundheitsminister Matt Hancock und Arbeitsministerin Amber Rudd. Selbst dem umstrittenen früheren Brexit-Minister David Davis werden Chancen eingeräumt.

„Ungeheuerliche Pflichtverletzung“

Auch die Wirtschaft wird ungeduldig. In ungewöhnlich scharfen Worten wirft der Vorsitzende der Britischen Handelskammer (BCC), Adam Marshall, den Politikern seines Landes vor, die Unternehmen im Stich gelassen zu haben. „Wir sind frustriert, wir sind wütend“, erklärt er im Vorfeld der BCC-Jahreskonferenz. „Unsere gewählten Repräsentanten dürfen nicht weiter Regenbögen nachjagen.“ Sie müssten endlich Entscheidungen treffen. Ein ungeordneter EU-Austritt aber wäre eine „ungeheuerliche Pflichtverletzung“.

Die britische Auto-Industrie ist alarmiert, nachdem die Produktion nach Branchenverbands-Angaben im Februar auf Jahressicht um 15,3 Prozent auf 123.203 Fahrzeuge eingebrochen ist. Es ist der neunte Monat in Folge mit einem Rückgang. Dies sollte ein Weckruf für all diejenigen sein, die immer noch glaubten, die Branche könne einen „No-Deal-Brexit“ überleben ohne ernsthaft Schaden zu nehmen, erklärt Verbandschef Mike Hawes.

Spahn fürchtet medizinische Versorgungsprobleme

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) befürchtet laut „Handelsblatt“ im Fall eines ungeordneten Brexits Versorgungsprobleme bei wichtigen Medizinprodukten. Die Zeitung beruft sich auf ein ihr vorliegendes Schreiben an die EU-Kommission. Darin warne Spahn davor, dass es bei einem chaotischen Brexit „spätestens ab Mitte April“ auch in Deutschland zu Engpässen kommen könnte. Spahn habe die Kommission und die anderen Mitgliedstaaten aufgefordert, sich auf einen gemeinsamen Krisenplan zu verständigen.

Ursprünglich sollte Großbritannien schon an diesem Freitag die EU verlassen. Brüssel bot London eine Verschiebung des Brexits bis zum 22. Mai an. Bedingung dafür ist aber, dass das Unterhaus dem Austrittsvertrag noch in dieser Woche zustimmt. Andernfalls gilt die Verlängerung nur bis zum 12. April. In dem Fall soll London der EU vor diesem Termin sagen, wie es weitergehen soll. Vor knapp drei Jahren hatten die Briten in einer Volksabstimmung mit knapper Mehrheit für den EU-Austritt gestimmt.

Источник: Corruptioner.life

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