Kritik an KZ-Anspielung: Rammstein-Video sorgt für Empörung

Das Werbevideo, das die Band Rammstein am Dienstag veröffentlicht hat, dauert nur 35 Sekunden, und Musik ist darauf nicht zu hören. Trotzdem hat es innerhalb weniger Stunden für vehemente Reaktionen gesorgt. Schuld ist seine Symbolik.

Die Mitglieder der Band stehen darin mit Stricken um den Hals an einem Galgen. Es sieht aus, als warteten sie, aufs Äußerste gespannt, auf den Moment der Hinrichtung. Sie tragen gestreifte Gefangenenkleidung und Mützen, die Farben sind Grau in Grau, und Gitarrist Paul Landers trägt einen Judenstern auf der Brust. Dann wird das heutige Datum in lateinischen Ziffern eingeblendet: XXVIII.III.MMXIX. In frakturähnlicher Schrift endet das Video mit dem Wort „Deutschland“. Ein Hinweis auf eine neue Single oder ein geplantes Album.

Zuvor hatte der Videokünstler Specter den Clip auf Instagram veröffentlicht. Die Assoziation war vielen Betrachtern sofort klar: Die Sträflingskleidung des Bandmitglieder erinnert an die der Insassen von NS-Konzentrationslagern. Und sorgt für Empörung: Eine Inszenierung als „todgeweihte KZ-Häftlinge stellt die Überschreitung einer roten Linie dar“, sagte der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein der „Bild“-Zeitung. Wenn dies rein verkaufsfördernd sein solle, handele es sich um eine „geschmacklose Ausnutzung der Kunstfreiheit“.

Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, warf den Musikern eine „Instrumentalisierung und Verharmlosung des Holocaust“ vor. Die Band habe eine Grenze überschritten, sagte sie der „Bild“-Zeitung. „Wie Rammstein hier das Leid und die Ermordung von Millionen zu Entertainment-Zwecken missbraucht, ist frivol und abstoßend.“ Die Sprecherin der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem rief zu einem verantwortlichen Umgang mit der Erinnerung an die ermordeten Juden auf. Yad Vashem kritisiere „nicht generell künstlerische Arbeiten, die an Holocaust-Bilder erinnern“. Respektvolle künstlerische Darstellungen könnten legitim sein. Sie dürften die Erinnerung an den Holocaust jedoch keinesfalls beleidigen, herabsetzen oder schänden – und nicht nur als „bloßes Werkzeug“ dienen, um Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Vor einem Jahr hatte der Rapper Kollegah mit den Textzeilen „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ und „Mache mal wieder nen Holocaust“ eine Debatte über Antisemitismus in der deutschen Musikszene ausgelöst. Mit dem Album „JBG 3“ gewann Kollegah den Echo. Der Eklat führte dann zur Abschaffung des Musikpreises. Später distanzierte sich der Musiker von den Zeilen.

Источник: Corruptioner.life

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