Hoffenheims Traum von Europa ist nach 2:4 in Mainz dahin

Mainz 05 hat den Hoffenheimer Traum von Julian Nagelsmann von einer Qualifikation für die Europa League zum Abschluss seiner dreieinhalb Trainerjahre bei der TSG zerstört: Nach einem frühen 0:2-Rückstand durch Treffer von Ishak Belfodil (12.) und Andrej Kramarcic (34.) drehten die Rheinhessen vor 28.000 Zuschauern eine verlorene Partie nach einer Energieleistung in der letzten halben Stunde durch ein Elfmetertor von Daniel Brosinski (66.) sowie zwei Treffer des überragenden Jean-Paul Boetius (82./90.) und einem Tor von Jean-Philippe Mateta (90+.3.) noch zu ihren Gunsten in einen 4:2-Sieg.

Daniel Meuren

Hoffenheim war auch eingebrochen, weil sich Christoph Baumgartner kurz vor dem Pausenpfiff eine Gelb-Rote Karte einhandelte und sein Team in Unterzahl zurückließ.

Für Nagelsmann endete seine Zeit in Hoffenheim somit auf ähnliche Weise, wie einst der Aufstieg vom noch unbekannten Nachwuchstrainer zum prägenden und sportlich letztlich erfolgreichsten Cheftrainer mit den ersten Qualifikationen für Europa und Champions League einst begonnen hatte: Mit einer Niederlage im Duell mit Mainz 05 und Sandro Schwarz. 2013 verlor Nagelsmann zum Auftakt seiner ersten Bundesligasaison als A-Junioren-Cheftrainer mit 1:2 nach eigener Führung. Am Saisonende feierte er freilich mit dem deutschen Meistertitel der A-Junioren seinen ersten großen Erfolg.

Die Hoffenheimer schienen in Mainz schon wie der sichere Sieger. Sie verunsicherten die Gegner vom Anpfiff weg durch ihr aggressives Pressing in deren Bemühungen um ein geordnetes Aufbauspiel. Angesichts des hohen Tempos der TSG-Offenisvspieler um Kramaric und Belfodil verloren die Mainzer immer öfter die Ordnung. Ishak Belfodil profitierte davon in der zwölften Minute, als er seinen Freiraum mit einem wunderschönen Schlenzer in den rechten Torwinkel zur Führung nutzte. Der Mainzer Kapitän Niko Bungert, zum Abschluss seiner elf Jahre in Mainzer Diensten in der Startelf, konnte Belfodil an seinem Kabinettstückchen nicht mehr hindern.

Die Mainzer kamen zwar auch zu Torgelegenheiten durch Mateta und Kunde, die 2:0-Führung zur Halbzeit entsprach aber den Kräfteverhältnissen. Und das Tor war genauso elegant erzielt wie der Führungstreffer: Andrej Kramaric schlenzte den Ball bei einem Freistoß aus 22 Meter unhaltbar für den als Stellvertreter des angeschlagenen Floran Müller im Mainzer Tor stehenden Robin Zentner über die Mauer hinweg Tor.

Für Hoffenheim drehte sich das Spiel indes zu m Schlechten, weil der erst 19 Jahre alte Christoph Baumgartner bei seinem ersten Startelfeinsatz für die TSG übermotiviert zu Werke ging: Trotz einer Vorbelastung durch eine Gelbe Karte attackierte er den Mainzer Schlussmann Zentner zu hart. Die Hinausstellung wegen einer Gelb-Roten Karte (43.) war zwangsläufig.

Mainzer Sturmlauf in Halbzeit zwei

Hoffenheim hatte dem Mainzer Sturmlauf in Halbzeit zwei in Unterzahl nur noch wenig entgegenzusetzen: Nach einem halben Dutzend teils fahrlässig vergebener Torchancen erzielte schließlich Daniel Brosinski per Elfmeter den Anschlusstreffer. Schiedsrichter Deniz Aytekin hatte den Strafstoß nach einem Hinweis des Videoassisitenten und Begutachtung der Videosequenzen verhängt, nachdem er das  Foul an Danny Latza zuvor nicht geahndet hatte.

Boetius nahm anschließend zweimal gleichermaßen cool wie elegant Maß und drehte das Spiel zu Gunsten seines Teams. Ein weiteres wunderschönes Tor war ihm zuvor gar noch aberkannt worden, nachdem Schiedsrichter Aytekin  aus dem Kölner Keller auf ein vermeintliches Handspiel hingewiesen worden war. Mateta war schließlich der Schlusspunkt einer starken Mainzer Spielzeit vergönnt.

Beim zwischenzeitlichen 1:0 umringt von seiner Mannschaft: TSG-Trainer Julian Nagelsmann (Mitte) verlässt den Verein in Richtung Leipzig.

Zudem dürften die Rheinhessen in München ungewohnte Fans von der anderen Seite des Rheins gefunden haben: Durch den Erfolg sicherten sie der dort bei den Bayern unterlegenen und in der Vorwoche noch in Frankfurt selbst bezwungenen Frankfurter Eintracht in einem Akt der Nachbarschaftshilfe den Platz in der Europa-League-Qualifikation. Nachdem die Mainzer Fans schon beim zwischenzeitlichen Ausgleichstreffer der Eintracht in Münchner gejubelt hatten, dürften sich nun auch einige für die Eintracht und deren verdienten Wiedereinzug in den Europapokal gefreut haben bei aller Rivalität unter Nachbarn.

Die Mainzer nutzten die gute Laune beim Sieg am letzten Spieltag noch für mehrere Moment der großen Emotionen: Stadionsprecher Klaus Hafner war nach 30 Jahren letztmals am Mikrofon und verabschiedete sich mit seinen typischen Abschiedsworten „Tschau mit au“ . Der 65 Jahre alte „echte Meenzer“, der gerade in den ersten Bundesligajahren durch seine faire Begrüßung auch der Gästemannschaften Zeichen in der Bundesliga setzte und mit dem Fairplay-Preis des DFB ausgezeichnet worden war, stand schon vor dem Anpfiff mit Tränen in den Augen am Spielfeldrand, als auf der Anzeigetafel Jürgen Klopp in unnachahmlicher Weise eine Videobotschaft aus Liverpool mit den Worten „Auf geht’s“ begann. Diese Worte schrie Hafner immer mal wieder auf Anweisung von Klopp zu dessen Zeiten als Mainzer Trainer ins Mikrofon, wenn es dem heutigen Weltklassetrainer zu leise wurde.

Источник: Corruptioner.life

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