Guaidó ruft zum „größten Aufmarsch der Geschichte“ — Lässt Diktator Maduro seinen Erzfeind jetzt verhaften?

Schüsse. Fliehende Demonstranten. Tränengas. Flammen aus Fahrzeugen. Ein Panzerwagen, der in eine Menschengruppe rammt.

ES KNALLT IN CARACAS!

Wochenlang war es still im Machtkampf um Venezuela. Am Dienstag dann rief der selbst ernannte Übergangspräsident Juan Guaidó zur „Operation Freiheit“ auf – und damit zur offenen Rebellion gegen Diktator Nicolás Maduro. „Als Interimspräsident von Venezuela, als rechtmäßiger Oberkommandierender der Streitkräfte, rufe ich alle Soldaten dazu auf, sich uns anzuschließen“, sagte Guaidó auf einer Schnellstraße nahe dem Luftwaffenstützpunkt „La Carlota“ in der Hauptstadt Caracas.

Stundenlang liefern sich die Demonstranten Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften der RegierungFoto: FEDERICO PARRA / AFP

Guaidó hat einen blauen Stoff-Fetzen um seinen rechten Arm gebunden. Das blaue Band ist das Erkennungszeichen des Aufstands gegen den Diktator: Wer es in den Reihen der Armee trägt, gehört zum Guaidó-Lager.

Armee-Angehörige nahmen an der Demo teil – das blaue Band signalisiert ihre Zugehörigkeit zum Guadió-LagerFoto: Miguel Gutierrez/EPA-EFE/REX/Shutterstock
Ein Demonstrant der Opposition neben einem Bus, der bei den Zusammenstößen in Flammen aufgingFoto: FEDERICO PARRA / AFP

Neben dem Übergangspräsidenten steht der vor Jahren inhaftierte Oppositionsführer Leopoldo López, den aufständische Soldaten gerade aus dem Hausarrest befreit haben. „Alle Venezolaner, die sich Freiheit wünschen, sollen kommen“, sagt der Gründer von Guaidós Oppositionspartei Voluntad Popular.

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Oppositionsführer sucht Schutz in chilenischer Botschaft

Am Nachmittag tauchte Lopez mit seiner Familie in der chilenischen Botschaft unter, suchte dort Schutz. López, seine Frau und seine Tochter seien Gäste in der Residenz der diplomatischen Mission, teilte Chiles Außenminister Roberto Ampuero. Vorher fordert Lopez von seinen Landsleuten: „In diesem Moment sollen alle Venezolaner, mit Uniform und ohne, auf die Straße.“

Und die Menschen kommen – aber die Zahl der Demonstrierenden ist nicht so groß wie im Januar, als Guaidó seinen Machtanspruch stellte. Dennoch: Kaum ist die Sonne über Caracas aufgegangen, liefern sich Demonstranten und regierungstreue Sicherheitskräfte schwere Auseinandersetzungen. Steine und Molotow-Cocktails fliegen, im Hintergrund sind Schüsse zu hören.

Panzerwagen fährt in Demonstranten

Dann fängt die Nachrichtenagentur Reuters eine unfassbare Szene ein: Vermummte Regierungsgegner greifen gepanzerte Militärfahrzeuge an. Ein Panzerwagen rast in die Menge, rammt mehrere Personen, überrollt mindestens eine. Ob dabei Demonstranten verletzt werden oder ums Leben kommen, ist zunächst unklar.

Von Toten ist bisher nicht die Rede, laut des örtlichen Krankenhauses wurden bisher 50 Personen nach der Straßenschlacht behandelt – 30 davon wurden von Gummigeschossen getroffen.

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Bislang ließ Maduro seinen Herausforderer Guaidó weitgehend gewähren. Nach dem Putschversuch könnte die sozialistische Regierung nun härtere Saiten aufziehen und Guaidó verhaften lassen. „In diesem Moment sammelt die Generalstaatsanwaltschaft Beweise gegen jene, die in diese illegale Verschwörung verwickelt sind“, sagt Generalstaatsanwalt Tarek William Saab.

Für den Mittwoch Guaidó zum „größten Aufmarsch der Geschichte Venezuelas“ aufgerufen. Mit einer Massenmobilisierung seiner Anhänger will er Maduro aus dem Amt drängen.

Wer die Kontrolle über den Luftwaffenstützpunkt „La Carlota“ hat, ist unklar. Beide beanspruchen die Basis für sich. Hubschrauber werden aus dem Hangar gezogen, schwarzer Rauch steigt über der Szenerie auf.

Die Sicherheitskräfte vor dem Stützpunkt feuern Tränengaskartuschen in die Menge. Verteidigungsminister Vladimir Padrino sagt, ein Oberst sei in den Hals geschossen worden, er müsse notoperiert werden. „Ich mache dafür die politische Führung der Opposition verantwortlich“, twittert er.

Guaidó rief am Dienstagmorgen zur offenen Rebellion gegen Maduro auf. Gegenüber dem amerikanischen TV-Sender CNN sagte er, ein „großer Bereich“ des Militärs stehe hinter ihmFoto: Boris Vergara / dpa
Ein Demonstrant wurde verletzt, nachdem ein gepanzerter Wagen die Menschenmenge rammte und ihn überfuhrFoto: FEDERICO PARRA / AFP

Das Militär gilt als der entscheidende Faktor im Machtkampf. Guaidó hat die Streitkräfte immer wieder dazu aufgerufen, die Seiten zu wechseln – bislang allerdings mit nur geringem Erfolg. Die Generäle profitieren ohnehin vom System Maduro und haben daher wenig Interesse an einem Machtwechsel. Kleinere Aufstände einfacher Soldaten gegen Maduros Regierung wurden bereits mehrfach niedergeschlagen.

Und jetzt?

Die Regierung spielt den Aufstand als kläglich herunter. „In diesem Moment schalten wir eine kleine Gruppe verräterischer Soldaten aus“, so Kommunikationsminister Jorge Rodríguez.

Die Polizei richtete ihre Waffen auf die oppositionellen DemonstrantenFoto: Fernando Llano / AP Photo / dpa

Während auf den Straßen von Caracas um die Macht gerungen wird, bringen sich die internationalen Verbündeten der verfeindeten Lager in Stellung. Die USA, viele EU-Staaten und zahlreiche lateinamerikanische Länder haben Guaidó als rechtmäßigen Übergangsstaatschef anerkannt – dagegen halten Russland, China, die Türkei sowie die linken Regierungen in Kuba, Nicaragua und Bolivien weiterhin Maduro die Treue.

Der Nationale US-Sicherheitsberater John Bolton ruft das Militär dazu auf, Guaidó zu unterstützen: „Das Ende der unrechtmäßigen Machtübernahme durch Maduro ist möglich. Venezuelas Streitkräfte sollten treu zum Volk und der Verfassung stehen.“

US-Präsident Donald Trump telefonierte am Dienstag mit dem französischen Staatschef Emmanuel Macron, um über die Lage in Südamerika zu beraten. Russland warnt vor einem Eingreifen von außen. Es gebe Kräfte, die nur einen Vorwand für ein gewaltsames Einschreiten suchten, schreibt der Chef des Auswärtigen Ausschusses im russischen Föderationsrat, Konstantin Kossatschow, bei Facebook.

Источник: Bild.de

Источник: Corruptioner.life

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