Frauenfußball-Champions-League: Lehrstunde für Wolfsburg, Halbfinale für Bayern

Almuth Schult hat eine große Stärke: Die Nationaltorhüterin lässt sich von folgenschweren Fehlern nicht unterkriegen. Diese Qualität wird die beste deutsche Schlussfrau in den kommenden Tagen und Wochen beweisen müssen. Am Mittwochabend wurde sie bei der 2:4-Niederlage ihres VfL Wolfsburg in der Anfangsphase zur tragischen Figur. In der achten Minute ließ sie sich von ihrer für Lyon spielenden Nationalteamkameradin Dzsenifer Marozsan mit einem schlitzohrig direkt aufs Tor gezogenen Freistoß aus eigentlich aussichtslos spitzem Winkel überraschen und erwischte den Ball erst knapp hinter der Linie. Die 28 Jahre alte Olympiasiegerin hatte auf eine Flanke spekuliert.

Daniel Meuren

Eine Viertelstunde später lief Schult dann nach einem Steilpass der Französinnen den Bruchteil einer Sekunde zu spät aus ihrem Tor, sodass sie Ada Hegerberg nur noch regelwidrig attackieren konnte. Olympique-Spielführerin Wendy Renard verwandelte den Strafstoß zum 2:0, wenngleich Schult die Finger noch am Ball hatte. Damit war die gute Ausgangslage des VfL nach der 1:2-Niederlage in Lyon passé. Das Team hätte nun mindestens vier Tore für das Weiterkommen schießen müssen.

Immerhin zwei Treffer gelangen den Wolfsburgerinnen unmittelbar nach der Pause, als Pernille Harder mit einem Doppelschlag jeweils nach Vorarbeit von Ewa Pajor über die linke Angriffsseite den Ball aus kurzer Distanz einschob (53./56. Minute). Die aufkeimende Hoffnung wurde freilich jäh beendet, als Eugenie Le Sommer vier Minuten später nach Vorarbeit von Amandine Henry zum 3:2 einköpfte. Le Sommer bewies ihren Torriecher ein weiteres Mal, als sie zum Endstand traf. 

Lyon mit starkem Gegenpressing

„Lyon ist verdient weitergekommen“, sagte VfL-Trainer Stephan Lerch. „Aber mich ärgert, dass wir es ihnen zu einfach gemacht haben, weil wir zu viele individuelle Fehler begangen und einzelne entscheidende Zweikämpfe verloren haben.“

Der VfL schien dabei von Beginn an stark beeindruckt vom massiven Pressing von Lyon und der enormen individuellen Qualität der Gegnerinnen mit der Weltfußballerin Ada Hegerberg als physisch außerordentlich starker Stoßstürmerin, mit Dzsenifer Marozsan als einer nicht nur spielerisch herausragenden, sondern auch lauf- und kampfstarken Akteurin im kollektiv starkem Bemühen von Olympique um frühe Balleroberungen sowie mit den herausragenden Flügelspielerinnen Selma Bacha und Amel Majri. Die erste Halbzeit erschien fast wie eine Lehrstunde für den VfL und auch den gesamten deutschen Frauenfußball in Gegenpressing und Hochgeschwindigkeitsfußball.

Nicht nur offensiv stark: Dzsenifer Marozsan im Duell mit der Wolfsburgerin Claudia Neto.

„Lyon ist natürlich ein sehr guter Gegner. Aber wir hätten Lösungen gehabt für ihr Pressing. Wir dürfen uns gegen einen solchen Gegner dann aber nicht so viele Fehler erlauben“,  sagte die Schwedin Nilla Fischer. „Wir haben in den beiden Spielen nicht unseren besten Fußball gezeigt.“

Wolfsburg scheiterte somit wie schon in den vergangenen drei Jahren am wohl besten Team der Frauenfußballwelt. Lyon hatte zuletzt dreimal in Serie die Champions League gewonnen, die Wolfsburg 2013 und 2014 für sich entschieden hatte. In Zukunft wird es zudem vermutlich nicht einfacher, die Kräfteverhältnisse umzukehren.

„Wir haben Qualität, aber nicht die Qualität in der Breite wie Lyon“, sagte Lerch. In den vergangenen Jahren, als die Duelle knapper verliefen, habe sein Team die Unterschiede noch mit Teamgeist und Mentalität kompensieren können. „Nun aber müssen wir sehen, dass wir die Lücke stopfen.“

Der deutsche Frauenfußball muss derweil in der laufenden Saison auf Bayern München hoffen, dass am Sonntag im DFB-Pokalhalbfinale gegen Wolfsburg spielt. Die Münchnerinnen setzten sich am Mittwochabend mit 5:1 gegen Slavia Prag durch nach Toren von Fridolina Rolfö (23.), Melanie Leupolz (33.), Mandy Islacker (41./55.) und Jill Roord (83.) sowie einem Gegentreffer von Keterina Svitkova (77.). Die Bayern-Frauen spielen nun gegen den FC Barcelona, Olympique Lyon muss am 20. und 27. April mit dem FC Chelsea um den Einzug ins Finale von Budapest spielen.

Da keimte noch mal Hoffnung: Pernille Harder trifft.

Источник: Corruptioner.life

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