Flugaufsicht FAA sieht Handlungsbedarf

Die zwei Abstürze von Boeing-Flugzeugen des Typs 737 Max und das daraus resultierende Flugverbot für die Maschine beschäftigen nun auch den amerikanischen Kongress. Für diesen Mittwoch war eine erste Anhörung vor dem Senat zu den Vorgängen rund um die 737 Max angesetzt.

Roland Lindner
Timo Kotowski

Boeing-Manager wurden dabei nicht erwartet; dies soll bei künftigen Anhörungen der Fall sein. Stattdessen sollten Vertreter amerikanischer Behörden aussagen, darunter Daniel Elwell, der kommissarische Leiter der Flugaufsicht FAA, sowie Calvin Scovel, der Generalinspekteur des Verkehrsministeriums, der gerade eine Überprüfung der Zertifizierung für die Boeing-Maschine bei der FAA gestartet hat.

Der Zulassungsprozess für Flugzeuge in Amerika ist im Zusammenhang mit den Unglücken in die Kritik geraten, denn seit einigen Jahren erlaubt es die FAA Boeing, daran mit selbst ausgewählten Mitarbeitern mitzuwirken. Und im Falle der 737 Max soll sie Medienberichten sogar zusätzliche sicherheitsrelevante Aufgaben an Boeing-Vertreter delegiert haben, um die Zertifizierung zu beschleunigen.

Nach dem vorab verbreiteten Redemanuskript für die Anhörung sagte Generalinspekteur Scovel, die FAA werde bis Juli dieses Jahres einen Plan vorlegen, der erhebliche Veränderungen in der Aufsicht vorsehe. Genaue Details gingen aus der Rede nicht hervor.

FAA-Chef Elwell gab laut seinem Redetext zu, dass die Aufsichtsfunktion der Behörde sich „entwickeln“ müsse, aber er verteidigte auch die Zertifizierung für die 737 Max und die grundsätzliche Politik, bei der Zulassung mit den Herstellern zu kooperieren. „Dies ist keine Selbstzertifizierung; die FAA behält strikte Autorität über die Aufsicht.“

Was ist mit der Software?

Das Delegieren von Aufgaben an Hersteller helfe der Behörde, Ressourcen zu sparen und sei auch vom Kongress so angeordnet. In die Sicherheitsprüfung für die MCAS-Software bei der 737 Max, die im Verdacht steht, bei den Abstürzen eine Rolle gespielt zu haben, war die FAA nach Elwells Angaben „direkt“ eingebunden. Der Zertifizierungsprozess für die Maschine sei „detailliert und gründlich“ gewesen, insgesamt seien 297 Flugtests durchgeführt worden, und in einigen davon sei auch das MCAS-System getestet worden.

Elwell sorgte indessen auch für neuen Gesprächsstoff, als er sagte, Boeing habe der Behörde schon am 21. Januar einen Vorschlag für eine Nachbesserung der MCAS-Software zur Zertifizierung vorgelegt und somit deutlich vor dem zweiten Absturz einer 737 Max in Äthiopien am 10. März. Das warf die Frage auf, ob es nicht möglich gewesen wäre, die neue Software schon vorher freizugeben und einzusetzen. Ein Sprecher der Behörde sagte, es habe sich um eine frühe Version der Software gehandelt.

Boeing selbst sieht sich mit der neuen Software auf gutem Weg. An diesem Mittwoch wollte der Konzern sie einer Gruppe von 200 Piloten und Regulierern aus der ganzen Welt in seinem Werk in der Nähe von Seattle vorstellen. Der für Produktentwicklung zuständige Mike Sinnett sagte in einer Telefonkonferenz, Boeing habe „seit einiger Zeit“ an der Software gearbeitet und habe nach gründlichen Tests volles Vertrauen in ihre Sicherheit.

Источник: Corruptioner.life

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