Die „Katze von Anzing“: Sepp Maier wird 75 Jahre alt

Deutschland hatte auch vor und nach ihm große Torhüter: von Stuhlfauth und Turek bis Kahn und Neuer. Doch an Sepp Maiers Erfolge und seine kauzige Komik kam niemand heran. In den glorreichen Siebzigern, der bis heute größten Ära des deutschen Fußballs, war er der Rückhalt des Nationalteams und der Bayern. Wie er in seinen selbstentworfenen, schmalen Trikots, mit selbstgebastelten Torwarthandschuhen an den Enden seiner langen dünnen Arme durch den Strafraum flog, so katzen- wie krakenhaft – dieser Anblick gehört zu den prägenden bildlichen Erinnerungen an jene ästhetisch nie übertroffene Fußballepoche.

Christian Eichler

Er wurde Welt- und Europameister, gewann vier Europapokale, vier Meisterschaften, vier DFB-Pokale, wurde drei Mal „Fußballer des Jahres“. Und um Maier in 13 Endspielen seine einzige Niederlage beizubringen, war ein anderes Schlitzohr nötig: der Tscheche Antonin Panenka, der ihn im EM-Finale 1976 mit einem Lupfer in die Tormitte überlistete. Doch am wichtigsten ist Maier seine historische Leistung von 442 Bundesligaspielen nacheinander, dreizehn Jahre, ohne auch nur eine Partie zu verpassen – ein Rekord für die Ewigkeit.

Es sollten noch mehr werden, doch ein schwerer Verkehrsunfall zwang ihn 1979, seine Karriere zu beenden. Deutsche Meisterschaften gewann der vielseitig begabte Sportler dennoch weiter, vier Mal als Tennis-Jungsenior mit dem TC Hasenbergl. Und Welt- und Europameister wurde er auch ein zweites Mal, als Torwarttrainer im Nationalteam, ehe er 2004 im Streit mit Jürgen Klinsmann ausschied. Der Teamchef hielt ihn für zu parteiisch in der großen Frage vor der WM 2006: Kahn oder Lehmann.

Franz Beckenbauer (links), Sepp Maier (Mitte) und Paul Breitner nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland Bilderstrecke

Wie kaum ein anderer steht Maier für die Zeit, in der große Torhüter auch große Entertainer sein konnten, so wie der Kollege vom damaligen Lokalrivalen 1860, Petar Radenkovic. Maier jagte Enten auf dem Platz, versteckte ein Kaninchen in der Tasche des Masseurs, schmuggelte Journalisten Ziegelsteine in die Tasche. Noch mit 65 ließ er als Hobby-Magier auf Tournee „Frauen verschwinden“. Und bis heute liebt der Mann, den man wegen seiner geschmeidigen Flüge durch den Strafraum „Katze von Anzing“ nannte, große Ausflüge. Vor drei Jahren bereiste er die Arktis. Nun, zu seinem 75. Geburtstag, den er an diesem Donnerstag feiert, hat er, um die Sache rund zu machen, sich auch einen Trip zum anderen Pol gegönnt: drei Wochen Antarktis.

Источник: Corruptioner.life

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