Britisch-europäischer Handel: Regierung in London warnt vor Chaos-Brexit

Die Regierung in London hat erstmals eingeräumt, dass ein ungeordneter Brexit zu schweren Störungen des britisch-europäischen Handels führen könnte. Der Lastwagenverkehr über die wichtige Fährverbindung zwischen Dover und Calais, sowie durch den Eurotunnel würden im schlimmsten Fall „monatelang sehr stark reduziert werden“, heißt es in einem am Dienstagabend veröffentlichten 15 Seiten umfassenden Regierungspapier zum Stand der Vorbereitungen auf einen „No-Deal-Brexit“. Die Beamten schränken ein, dass sie „derzeit“ nicht damit rechneten, dass es zu einem solchen „worst case“ komme.

Julia Löhr
Marcus Theurer

Die Regierung befürchtet bei einem ungeordneten EU-Austritt auch Versorgungsengpässe. Insbesondere bei Nahrungsmitteln könne es zu einer „eingeschränkten Verfügbarkeit und Auswahl von Produkten“ kommen. Es werde zwar „keine umfassende Nahrungsmitteknappheit“ in Großbritannien erwartet, doch wäre mit Preissteigerungen zu rechnen. „Viele Unternehmen der Nahrungsmittelversorgung sind unvorbereitet für einen No-Deal-Brexit“, bilanzieren die Regierungsbeamten.

Das Brexit-Papier ist die bislang konkreteste Warnung der britischen Regierung vor einem ungeordneten EU-Austritt. Zugleich stellte die Premierministerin Theresa May am Dienstag erstmals eine mögliche Verschiebung des Brexit-Termins um drei Monate bis Ende Juni in Aussicht.   Nach derzeitigem Stand soll das Vereinigte Königreich die EU am 29. März verlassen. Noch immer ist unklar, ob bis dahin ein Austrittsabkommen mit der EU ratifiziert werden kann. Dieses soll für eine geordnete Trennung sorgen.

Ein drohender chaotischer Brexit macht auch der deutschen Wirtschaft große Sorgen.  „Jede Alternative ist besser als ein No-Deal-Brexit“, sagte Joachim Lang, der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der deutschen Industrie (BDI) am Dienstag in Berlin. Ein „No-Deal-Brexit“ würde Deutschland nach den Berechnungen des Bundesverbands der deutschen Industrie (BDI) ein halbes Prozentpunkt Wachstum kosten. „Das wären rund 17 Milliarden Euro weniger Wirtschaftskraft allein in diesem Jahr“, sagte Lang. Dass Deutschland dadurch in eine Rezession rutschen könnte, sieht er jedoch nicht.

Источник: Corruptioner.life

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