Angehender Gesangsstar: Im Vertrauen auf den Plan

Rola Mardiros Hinterbichler kommt aus Frankfurt und macht Musik, seit sie denken kann. Als Sängerin nennt sie sich einfach Rola. Im Frankfurter Nordwestzentrum begrüßt sie uns mit einem strahlenden Lächeln. Auf den Lippen trägt sie roten Lippenstift, auf der Nase eine übergroße vergoldete Brille. „Fake Freckles“, falsche Sommersprossen, lassen ihr zartes Gesicht besonders aussehen. Den übergroßen Sweater hat sie mit einer engen Jeans und Sneakern kombiniert. Am auffälligsten sind jedoch die flauschigen Haare der Sängerin. „Wenn meine Mama sähe, dass ich ungekämmt zu einem Interview-Termin komme, würde sie die Hände über dem Kopf zusammenschlagen“, lacht Rola und fügt hinzu: „Es ist immer wieder ein unglaubliches Gefühl, zurück in die Nordi zu kommen.“ Nach der Schule verbrachte Rola nämlich die meiste Zeit in einem Elektronikmarkt im Nordwestzentrum. „Dort konnte ich mir die neuesten CDs raussuchen und direkt anhören“, erinnert sie sich. Die Musik, die sie in ihrer Jugend hörte, hat auch großen Einfluss auf die Musik, die sie heute selbst macht. „Urbaner Pop mit vielen Hip-Hop-Einflüssen“, wie die Sängerin ihren Stil beschreibt.

„Heute folgt man den Idolen eben auf Instagram“

Aylin Güler

Zur Welt ist Rola am 12. Februar 1990 in Accra in Ghana gekommen. Als sie drei Jahre alt war, zogen ihre Eltern mit ihr nach Frankfurt. An Kindheitstage in Ghana hat die Sängerin kaum Erinnerungen. Sie selbst bezeichnet sich als Frankfurterin, ist sie doch hier im Mertonviertel gemeinsam mit ihren beiden jüngeren Geschwistern aufgewachsen. „Dadurch, dass Frankfurt so klein ist, leben viele verschiedene Nationalitäten an einem Fleck. Das macht das Zusammenleben so schön“, sagt die Neunundzwanzigjährige, ergänzt aber: „Kommentare über meinen Afro musste ich mir als Kind schon mal anhören. Oder Pauschalisierungen über Afrika. Beeinflusst hat mich das nicht.“

Frankfurt hat Rolas Musik maßgeblich geprägt. Mit hiesigen Künstlern wie Azad, Moses Pelham und Sabrina Setlur hat sie sich schon immer identifiziert. „Diese Menschen waren nicht nur ein Vorbild für mich, sondern auch für die deutsche Musik“, sagt sie. Auch die Kita Kupferhammer in Heddernheim spielte in Rolas frühem musikalischen Leben eine große Rolle: „Mein Hort hat mich musikalisch immer sehr gefördert. Hier habe ich im Alter von zehn Jahren meine ersten Songs geschrieben“, sagt sie und zeigt dabei auf die architektonisch außergewöhnliche Hundertwasser-Kindertagesstätte. Auftritte hatte die Sängerin schon als Kind regelmäßig in der Kirche. Der Glaube ist ihr wichtig: „Wir sind sehr christlich erzogen worden, sind jeden Sonntag in die Kirche gegangen. Das versuche ich heute noch“, und fügt lachend hinzu: „Na ja, wenn ich dann mal in Frankfurt bin.“

Immer wieder zückt Rola das Handy, um ihre Instagram-Follower an ihrem Tag teilhaben zu lassen: „Früher hat man sich die ,Bravo‘ gekauft und Poster ins Kinderzimmer gehängt. Heute folgt man den Idolen eben auf Instagram“, sagt sie. Jeden Sonntag spricht die Sängerin mit ihren Fans im Livestream und gibt ihnen auch die Chance, live vorzusingen: „Ich glaube, Singen ist eine Fähigkeit, die man sich beibringen kann, indem man es einfach immer und überall tut“, sagt Rola, die selbst Jugendlichen im Jugendzentrum Bonames drei Jahre lang Gesangsunterricht gegeben hat.

Источник: Corruptioner.life

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